Hamburg 2010: Die große Freiheit… ver(w)irrt!
7. Februar 2010
Das Educamp 2010 in Hamburg ist vorbei, mein Kopf voll mit sich widersprechender Information. Sowas habe ich lange nicht mehr erlebt, das mich eine Veranstaltung derart verwirrt hat. Bislang hatte ich die Educamps immer aus sicherer Ferne beobachtet und mich gefragt, was dort eigentlich passiert. Was das Ergebnis wohl für den Einzelnen ist, hab ich mich dabei oft gefragt.
Erwartungen
Ich meine, ich habe ähnliche Formate und Veranstaltungen schon häufig besucht, aber halt noch kein Educamp. Ich dachte mir hinfahren und selbst angucken ist der beste Weg rauszufinden was dort passiert. Jetzt habe ich eine Menge Eindrücke im Kopf, und ein merkwürdiges Gefühl und ich bin verwirrt.
Das es kein GeekCamp sein würde, das war mir vorher klar, aber, ich dachte schon, dass die Leute die dort hingehen, sowas wie ein gemeinsames Verständnis haben von dem Ding mit dem sie sich da beschäftigen. “Edu” dachte ich, das heißt, die sind sich zumindest über den Begriff “Bildung” einigermaßen einig.
Rückblick
Allerdings hat mich dann doch die schiere Anzahl an Statements und Projektionen zum und auf den Begriff Bildung schlichtweg erschlagen. Sorry, Leute da komme ich absolut nicht mehr mit, was ihr da alles unter dem EINEN Begriff verankert sehen wollt. Ich hatte den Eindruck, Begriffe wie “Schule”, “Management”, “Finanzierung”, “Ausbildung”, “Lernen”, “Informelles Lernen”, “Wissen”, “Informieren”, “Kommunizieren”, “Kultur”, “Hochschule”, “Grundschule”, “Didaktik” und “Pädagogik” wurden teilweise wahllos durcheinandergewürfelt.
Organisation & Technik
Die Organisation fand ich prima. Die Beamer haben alle funktioniert, das WLAN ging wenn es gebraucht wurde für mind. 2h (und wenn nicht hab ich zumindest immer mein 3G in der Tasche gehabt). Die Infotheke hätte ich persönlich einem deutlich optisch ansprechenderem “Branding” (mit mehr “EduCamp-Logo”) unterzogen, aber das ist ja Geschmackssache. Die Belegung des Sessiongrids hätte ich persönlich in der LoTec-Variante (auf Papier) durchgeführt (auch zur Abstimmung), oder aber richtig HiTec (sprich Wiki für alle dezentral zu befüllen). So war die Vorstellung von Sessionideen eher eine Art Ritual ohne Wirkung mit dem Ergebnis First-Come-First-Serve. Meinen Strombedarf hab ich etwas gezügelt, da die Anzahl der Quellen für Energie doch überschaubar war. Ich sag dazu nur: “Kabelsalat ist gesund!”
Lernraum
Die Räumlichkeiten haben mich jetzt nicht wirklich zum Lernen eingeladen. So ein Stuhlkreis um eine Tafel…? Hey, Leute: “Walk your Talk!” sag ich da, lebt doch bitte mal, was ihr fordert. Wer e-Portfolios, Smartboards, Laptopklassen, Mobile Campus, oder schlicht Revolution im Lehrraum usw. fordert, der sollte doch die eigenen Sessions oder zumindest einen Raum exemplarisch möglichst mal volle Kanne damit ausrüsten. Das fängt mit flächendeckender Stromversorgung für jeden Stuhl der im Raum steht an und hört bei der Umgestaltung des restlichen Raumes noch nicht auf. Stattdessen war da oft nicht mehr als Frontalvortrag mit “Hand hoch bitte, zum Wortmelden” als Lernerfahrung abzugreifen. Woohooo, das trieft ja vor Innovation!
Ja, ich weiß wirklich nicht, was ich von meinen Eindrücken machen soll. Ich glaube ich warte mal ‘ne Woche und was ich dann nicht vergessen hab, das muss mir wichtig gewesen sein und das blogge ich dann nochmal.
Bis dahin ein schönes restliches Wochenende allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen des #ec10hh.
Update 7.2.2010
Eine Idee hätte ich für das nächste EduCamp: Einen Raum so umgestalten, dass man sich an einem führenden Vorbild in Bildungsfragen orientiert. Zum Beispiel den Lehrraum einer so oft zitierten finnischen Schule oder Hochschule mal nachbilden und ausprobieren.
Weiteres Update (gleicher Tag)
So langsam trudeln einige Blognachbetrachtungen ein. Ich mach mal eine Liste hier auf:
- Rückblick auf mein erstes EduCamp … , Kerstin Mayrberger
- Lebhaftes vom EduCamp2010, ursel
- The Future of EduCamp, Thomas Bernhardt
- #ec10hh, Saskia-Janina Kepp
- Education Camp 2010 Hamburg #ec10hh, Moritz Schott
- Educamp Hamburg, @Mons7 und bottom-up guerilla., Jean-Pol Martin
- Das Internet als Bildungsraum…, Ann-Theres
- EduCamp 2010 Hamburg – Tag 1, Tim Schlotfeldt
- EduCamp & Wissenschaftszirkus, Mandy Schiefner
- Wie war das EduCamp 2010?, Tamim Swaid
- Nachgedanken zum Educamp 2010 Hamburg , Benjamin Jörissen
- Educamp Hamburg 2010 – eine Reflexion, Illona Buchem
- EduCamp in Hamburg 2010, Maik Riecken
- Educamp in Hamburg – Teil 1, Tamara Bianco
- Hamburger EduCamp: Die umstrittene Podiumsdiskussion, Oliver Tacke (Bildungsreporter)
- EduCamp Hamburg 2010 – Erfahrungen, Horst Sievert
- Educamp 2010 – die leise Bildungsrevolution, Helge Städtler (Bildungsreporter)
- EduCamp Hamburg 2010 – Versuch eines Rückblicks, Sandra Hofhues
- Edu-Camps als Alternative?, Melanie Gottschalk
- #ec10hh. Das Hamburger EduCamp – ex post., Sebastian Plönges
- Banking 2.0, LEARNTEC und EduCamp (2), Jochen Robes (weiterbildingsblog)
- Das Portfolioparadox, Christian Beermann
- EduCamp 2010 Hamburg, Joachim Wedekind
- …to be continued…
Fotos und optische Impressionen
Hier ein paar Fotos vom EduCamp gesammelt von klisch.
Fotos von Ralf Appelt.
HINWEIS
Weitere Beiträge zur Nachlese des Camps hat Ralf in der mixxt-Plattform erbeten.
Why do I blog this? Ich frage mich wirklich grade was hat mir das EduCamp gebracht. Und da ist zuallererst diese unglaubliche Verwirrung durch die Begriffe. Sowas hab ich wirklich noch nicht erlebt. Dass die Leute bei so viel Freiheit in der Nutzung der Worte dann zwangsweise aneinander vorbeireden müssen liegt da schon fast auf der Hand. Ich denke, hier bieten sich mannigfaltige Chancen auf dem nächsten Camp mal eine Begriffsklärung herbeizuführen für Kernbegriffe.










