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Was so im Mitmachnetz alles passiert…

28. Oktober 2009

Die Zahlen und Dimensionen sind tatsächlich schwer vorstellbar. Hier eine sehr netter Versuch, das ganze Ausmaß der globalen Aktivitäten mal bewusst zu machen (mehr Infos hier):

Spannend finde ich, dass das Verhältnis Google Suchanfragen zu YouTube Videos anschauen scheinbar 2:1 ist. Da hätte ich doch gedacht, das mehr gesucht wird. Aber das ist vielleicht ein deutliches Zeichen für den Siegeszug von Video auch im Netz. Kulturpessimisten können nun das Ende der Schriftkultur einläuten… interessant wäre zu überlegen, ob der Digital Divide sich auch im Netz gar nicht so sehr in der “Digital Media Literacy” (also verkürzt partizipative Nutzung des Mitmach-Netzes), sondern doch wieder in der guten alten schriftlichen Literalität wiederfindet. Oder können YouTube Videos (und natürlich auch TED Videos und iTunes U) schriftliche Informationen ablösen?

Sprechstunde Mittwochs 16:15 - 17:30 Uhr

21. Oktober 2009

Liebe Studierende,
in Anpassung an meinen Stundenplan findet meine Sprechstunde dieses Semester von
Mittwochs von 16:15 bis 17:30 Uhr statt.

Für Unterschriften erreichen sie mich darüber hinaus Dienstags 16:00 - 16:15 und Donnerstags von 16:15 - 16:30 Uhr.

Besprechungen für BA/MA/Examens-Arbeiten sowie mündliche Prüfengen nach Email-Absprache.

Le e-roi est mort, vive le e-roi…

13. Oktober 2009

Sehr schön zusammengefasst von Helge (Städtler) “tobt” momentan eine auf der e-learning 2009 losgetretene Diskussion um den Begriff E-Learning. Die Basler Kolleginnen und Kollegen Gudrun Bachmann, Antonia Bertschinger und Jan Miluška trugen zum Thema “E-Learning ade – tut Scheiden weh?” vor:

Mit diesem Beitrag möchten wir dafür plädieren, e-learning abzuschaffen. Natürlich meinen wir damit nicht, dass Computer und Internet wieder aus dem Hochschulunterricht verbannt werden sollen; jedoch sind wir überzeugt, dass es ihrer Verwendung in der Lehre förderlich wäre, wenn der Begriff „e-learning“ in den Ruhestand versetzt würde und neue, flexiblere Ausdrücke an seine Stelle treten würden. Zu diesem Schluss sind wir nicht durch theoretische Forschungsarbeit gelangt, sondern durch die Reflexion auf unsere praktische Arbeit. Gleichzeitig sind wir in verschiedensten Wissenschaftszweigen auf Parallelen zu unserem Gedankengang gestoßen, die wir hier zur Illustration und Bekräftigung unserer These heranziehen werden. Entsprechend möchten wir diesen Artikel explizit als Beitrag zur Diskussion auf der Meta-Ebene verstanden wissen, nicht als Beitrag zur Erforschung einzelner Aspekte des Unterrichtens mit digitalen Medien. Die Reflexion wird am Ende ergänzt durch eine Bilanz dessen, was sich an der Universität Basel verändert hat, seit wir wieder von „Neuen Medien in der Lehre“ und nicht mehr von „e-learning“ sprechen – gleichzeitig unser Hauptargument für die Abschaffung, denn letztlich muss sich die Theorie in der Praxis bewähren.

Erster Kommentar: Tja, wenn E-Learning gleichgesetzt wird mit hochgeladenen PDFs und aufgezeichneten Videokonserven - anytime and anywhere ohne menschliche Kommunikation und Kooperation - dann bitte weg damit (da gibt es ja bei Gabi Reinmann sehr nette Beispiele in den Kommentaren für diese Lesart von Gralki - alle Achtung Gabi, du hast vielleicht ‘ne Gemütsruhe :) ).

Aber schon ein echter Wahnsinn, dass technische Aspekte internetgestützter Medien zur Unterstützung von Lern-Lehr-Prozessen (monolithische Learning Management Systeme wie z.B. Blackboard) den Begriff E-Learning dominieren.

Zweiter Kommentar: Ganz ehrlich - diese Kritik ist doch so alt wie jedwede Form von computerbasierter Lehrsoftware seit den 1960er Jahren. Man fragt sich, was man so alles mit einem Computer anfangen könnte… Mmmh, warum nicht Wissen vermitteln…? Lehrerinnen und Lehrer sind teuer. Sofort ist man in alten behavioristischen Modellen unterwegs, die noch einigermaßen gut zu modellieren sind und wo keine inhaltliche Bewertung und qualitative Rückmeldung notwendig ist… . Und dann wird von technischen Beschränkungen und einfachsten Lehr-Lern-Modellen bestimmt losprogrammiert. Das aber nun zu pauschalieren, würde bedeuten, die Anstrengungen aller alternativ und reformorientierter Pädagoginnen und Pädagogen zu ignorieren, die genau das, was in vielen Kommentaren so vehement als aktuell neu und 2.0 gefordert wird, bereits vor 40 Jahren mit Computern gemacht haben.

Es ist ja nicht so, dass es nicht eine Vielzahl konstruktivistischer Ansätze im Bereich der englisch als “educational technology” bezeichneten digitalen (Bildungs-)Medien gäbe. Sehr spannend sind da z.B. Seymour Papert und seine vielen Schülerinnen und Schüler (Kafai, Resnick, Harel etc.), Carl Bereiter / Marlene Scardamalia, etc. etc.

Und auch die grundsätzliche Technik von partizipativen “Posterchilds” wie z.B. einem Wiki erblickten ja nicht Mitte der 90er Jahre die Welt, sondern sind natürlich schon in den 1960er Jahren (Xanadu) oder in den 1940er Jahren (Memex) vorgedacht worden.

Es gab also bisher auch immer eine intensive Beschäftigung mit Themen partizipativer Didaktik, die durch das Internet besonders befördert werden:

Ich selbst beschäftige mich seit 1993 mit dem Thema, wie man das Internet und insbesondere das WWW zum partizipativen Handlungsfeld reformpädagogisch orientierter Lern-Lehr-Arrangements machen kann. Zunächst mit Netscape 0.9x und in Visual Basic programmierten CGI-Skripten in einer hessischen Berufsschule, später dann mit weiteren selbstprogrammierten Systemen (insbesondere EduSerf sowie - mit Helge zusammen - EverLearn). Grundidee war immer, die Lernenden selbst zu (kollaborativen) Autorinnen und Autoren zu machen - also Lernen durch Lehren, Designen, Schreiben, Reflektieren etc.

Dritter Kommentar: Insofern begrüße ich, wenn die PDF-Schleudern dicht gemacht werden sollen. Wolfgang Neuhaus fordert passend dazu in seinem Beitrag “Rennaissance der Hochschuldidaktik” eine “neue Mediendidaktik“. Oder müsste man nicht sagen: eine “neue Didaktik neuer Medien”? Allerdings - wenn man Wolfgang seinen Beitrag liest:

Bereits seit der Einführung des E-Learning-Begriffs Ende der Neunziger Jahre ist er mir suspekt. Der Begriff der E-Mail dagegen war mir z.B. schon immer plausibel, weil mit dem “E” das elektronische Pendant des herkömmlichen Briefs bezeichnet wird. Nur was wäre ein elektronisches Pendant zum Lernen? Der Prozess, der in einem mit dem Computer verdrahteten Gehirn abläuft?

hinkt das m.E. ein wenig. E-Mail ist eine über das Internet versendete Textbotschaft (heute mit Anhängen, im HTML-Format mit Bildern etc.), also ein Internet-Brief -> Internet-Mail -> E-Mail. Ist aber etwas anderes als ein echter Brief. Wird schneller geschrieben und ausgeliefert. Liegt irgendwo zwischen schriftlicher und mündlicher Kommunikation. Ist aber auch kein Franken(stein)brief mit nem Ethernetkabel durch. E-Learning ist nun meiner eigenen Definition nach Lernen im Kontext von digitalen (und insbesondere vernetzen) Medien. Lernen ist es natürlich weiterhin, ich bin nur plötzlich etwas schneller dran an Information, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Vierter Kommentar: Eigentlich ist das doch nur ein Normalisierungsprozess. Es spricht ja heute auch keiner mehr von Tafel-Teaching oder Book-Learning. Digitale Medien werden zu “normalen” Medien. Viel interessanter sind da grundsätzliche Kulturunterschiede von E-Learning Establishment und jungen 2.0-Edu-Wilden (siehe auch Michael Kerres Kommentar). Auch das ein normaler pädagogischer Generationenkonflikt, der aber einiges an Potenzial hat. Vielleicht werden wir das ja auch auf unserem Bremer EduHack’r Pow Wow thematisieren können.


PS (Lokaler Kommentar):
hier in Bremen sprechen wir recht einheitlich von digitalen Medien in pädagogischen Kontexten (Zertifikatsstudiengang zusammen mit Heidi Schelhowe, deren Arbeitsgruppe schließlich digitale medien in der bildung - kurz dimeb - heisst). Das ist sicherlich präziser, aber abkürzungsanziehend. Meine Denomination heisst übrigens “Didaktische Gestaltung multimedialer Lernumgebungen” - interaktiv fände ich passender. Die Kombi interaktive Medien in pädagogischen Kontexten hieße dann impäkt - das wäre dann ja fast wieder international anschlussfähig ;)

Interview medidaprix Gewinner 2009

25. September 2009

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern bzw. tweetet es heutzutage auf allen Blogkanälen: die Uni Bremen hat den Medidaprix 2009 gewonnen. Die ersten Pilotprojekte zum E-Assessment gab es bereits 2004. Ich habe dieses Projekt seit 2005 wachsen sehen, zunächst als Vortragender und Input-Lieferant in verschiedenen Workshops, später dann als ZMML Vorstandsmitglied und aktuell auch als Partner in der wissenschaftlichen Begleitforschung. Sehr viel harte Arbeit und Engagement ist in den eService eAssessment geflossen, die nun durch den medidaprix eine weitere externe Anerkennung gefunden hat.

Da es sich beim eAssessment Dienst der Uni Bremen um ein komplexes, vielschichtiges Angebot handelt, wollte ich die drei “Key Player” des Dienstes an der Uni Bremen für alle im Netz interviewen: Dr. Jens Bücking, Kai Schwedes und Spyros Abatielos. Dabei geht es um die Erläuterung des Dienstes, Erfahrungen der letzten 5 Jahre, neue Möglichkeiten und Trends im eAssessment und natürlich auch darum, alte Vorurteile (”eAssessment ist Multiple Choice”, “Multiple Choice ist stumpfes Wissen abprüfen”) kritisch zu betrachten. Vielen Dank nochmal an Jens, Kai und Spyros für das Interview.

Anmerkung zur technischen Qualität des Interviews: Kurz vor dem Urlaub noch einen Podcast machen - und das mit neuem Equipment? Das war doch eine Überschätzung der eigenen Zeitressourcen. Deshalb hier das recht roh belassene Interview inkl. knarzender Stühle und der Original-Moderation exkl. Telefonklingeln und scheinsuchende Studis. Wenn ich zurück bin, wird das ganze dann in einen ordentlichen Podcast umgewandelt. Aktulität ist m.E. in diesem Fall wichtiger als Form.

1. Bremer EduHack

24. September 2009

Am 8. bis 10. Januar 2010 (jeweils 10:00 Uhr bis Open End) treffen wir uns zu
3 Days and Nights of Hacking Interactive Learning Software (Tools).

Infoveranstaltung: 20. November 2009 – 10:00 bis 13:00 Uhr

Bei der Veranstaltung handelt es sich um einen CodeSprint, also eine verkürzte Form 
eines Hackathon: wir treffen uns, um drei Tage lang intensiv ein Softwareprojekt bis 
zu einem lauffähigen Prototypen zu entwickeln. Die Programmierung kann dabei alleine 
oder in kleinen Teams bis 3 Personen durchgeführt werden. 

Es können beliebige Entwicklungsframeworks und –werkzeuge genutzt werden, die 
Teilnehmer/innen müssen jedoch ihren eigenen Laptop mit der jeweiligen Entwicklungs-
umgebung zum Coden mitbringen (mit Wifi Access).  

Am Anfang der Veranstaltung werden mehrere Projektideen vorgestellt, die in unserem 
Forschungskontext Anwendung finden könnten. Eigene Projektvorschläge können eben-
falls vorgestellt werden. Von unserer Seite aus schlagen wir Hacks für folgende  Entwicklungswerkzeuge und Frameworks vor: 

  • iPhone / Xcode 
  • Adobe Flex / Air 
  • WoW Add?On mit LUA 
  • JazzMutant Lemur 
  • Processing ggf. in Kombi mit Arduino
  • TAO (www.tao.lu) und R (www.r-project.org) - E-Assessment und Datenvisualisierung 
  • Google Wave und Tornado 

An der Infoveranstaltung stellen wir die Projektideen sowie die vorgeschlagenen Entwicklungswerkzeuge vor. Die TN können sich diese dann anschauen und auf den EduHack vorbereiten.

Der EduHack ist wie folgt gegliedert:

Freitag
10 Uhr Begrüßungsrunde und Festlegung der Projekte
11 Uhr Erstellung der ersten groben Designskizze (Systemarchitektur)
13 Uhr Coding by Example – Nutzung von Code Examples im Netz
Laufend Walk-by Presentations
16 Uhr Erstellung eines ersten GUI-Design (Paper Prototype)
Laufend Paper Prototype Tests
18 Uhr Pause – Kopf freikriegen – Sport

20 Uhr Zweite Coding Session: 4 Ziele setzen für 60 Minuten Hacks
00 Uhr Midnight Presentation – 5 min of fame – 5 min of blame
01 Uhr Reflektion: Was machen wir morgen? Was müssen wir noch lernen?

Samstag
10 Uhr Begrüßungsrunde und Anpassung der Projektziele
11 Uhr Dritte Coding Session: Freie Verfügung (z.B. Coding, Design, Testing)
Laufend User Tests
16 Uhr Kurzpräsentationen: Was klappt gut? Wo hängt es?
18 Uhr Pause – Kopf freikriegen – Sport
20 Uhr Vierte Coding Session: 4 Ziele setzen für 60 Minuten Hacks
00 Uhr Midnight Presentation
01 Uhr Reflektion: Was können wir morgen noch schaffen?

Sonntag
10 Uhr Begrüßungsrunde und Ziel für die heutige Abschlusspräsentation
11 Uhr Fünfte Coding Session
Laufend User Tests
16 Uhr Vorbereitung Demo
Demo Reel: Videos der besten Soft- und Hardwaredemos
Erstellung Demo
20 Uhr Demo or Die
23 Uhr Preisverleihung

Kompetenzen messen mit Simulationen und Serious Games?

21. September 2009

…war der Titel meines Beitrages im “Workshop” Simulations- und Spielbasiertes Lernen, den Jens Simon von der Uni Hamburg organisiert hatte. Der Dritte im Bunde war Rudolf Kammerl. Die Folien sollen wohl in Kürze im Netz zu finden sein, hier schon mal mein Vortrag:

eAssessment Dienst gewinnt medidaprix 2009

18. September 2009

Der eAssessment Dienst des Zentrums für Multimedia in der Lehre gewinnt (zusammen mit der Uni Zürich) den medidaprix 2009 [Presseinfo hier]. Gratulation an das Team (Dr. Jens Bücking, Kai Schwedes und Spyros Abatielos) - ich freue mich sehr über diesen Erfolg.

In der Laudatio heisst es:

eLearning liefert einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lehre. Zur Lehre gehört auch, dass das, was gelehrt und gelernt wird, einer Prüfung unterzogen wird. Das Projekt eAssessment, das an der Universität Bremen entwickelt wurde, demonstriert auf überzeugende Weise, wie mit Hilfe des Einsatzes digitaler Bildungsmedien die Vielzahl von Prüfungen, insbesondere vor dem Hintergrund des Bologna-Prozesses, optimiert und studierendenfreundlich gestaltet werden können. Besonders beeindruckt hat die Jury das durchdachte zukunftsorientierte Konzept, die Vielzahl von Impulsen zur Gestaltung und Reflektion, die durch den Umstieg von paper and pencil auf elektronische Prüfungen ausgelöst werden sowie das ausgefeilte Qualitätssicherungskonzept, das bei der Abnahme von Prüfungen unerlässlich ist. eAssessment ist ein substanzieller Beitrag dazu, Prüfungen an Hochschulen reliabler, valider und objektiver zu gestalten. Wenn das Bremen Projekt Schule macht, was zu wünschen ist, heißt es demnächst: Studierender elektronisch geprüft.

Er zeigt, dass unser Weg am ZMML richtig gewesen ist, neben den technischen, organisatorischen und rechtlichen Fragen auch über die Qualität von Prüfungen an sich nachzudenken. Die Beschäftigung mit eAssessments ist nämlich ein willkommener Anlass, sich insgesamt mit Prüfungsformen - mit oder ohne Computer - zu beschäftigen. Dabei wird sehr schnell klar, dass hier viel Potenzial für die Verbesserung der Hochschullehre liegt.

Ich werde versuchen, schnellstmöglich einen Podcast mit dem Team über den medidaprix Gewinn sowie ihre Ideen für die Verwendung der 50.000€ vorstellen können.